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Zu Gast am LIfBi: Prof. Dr. Markus Neuenschwander

10.09.2021

Vom 6. bis 10. September 2021 konnte das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe Prof. Dr. habil. Markus P. Neuenschwander zu einem Gastaufenthalt begrüßen. Der Schweizer Bildungsforscher gab in Bamberg einen Einblick in aktuelle Forschungsergebnisse und stand für einen intensiven Austausch zu Forschungsthemen und forschungstheoretischen Fragestellungen zur Verfügung.

 

Neuenschwander ist seit 2013 Leiter des Zentrums Lernen und Sozialisation am Institut Forschung und Entwicklung der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz. Zu seinen aktuellen Forschungsprojekten gehören beispielsweise Untersuchungen zur Organisation des Fernunterrichts während der Corona-Epidemie, das Projekt FOSSA zur Förderung der Selbstregulation bei Kindern mit herausforderndem Verhalten im Kindergarten- und Primarschulalter oder die Konzeption der Weiterbildung SCALA für Lehrpersonen, um Bildungschancen in sozial heterogenen Schulklassen zu fördern.

Unter dem Titel „WiSel – Wirkungen der Selektion“ leitet Neuenschwander schulbasierte Längsschnittstudien, die Bildungsverläufe im schweizerischem Schulsystem von der Primarstufe in die duale berufliche Bildung und in die tertiäre Bildung bzw. Erwerbstätigkeit untersuchen. Die aktuelle Studie WiSel III setzt die früheren Transitionsstudien zum Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe I und II (WiSel I und WiSel II) fort, wodurch Bildungsverläufe von der Primarstufe bis fünf Jahre nach Austritt aus der Sekundarstufe I analysiert werden können.

In seinem Vortrag "Effects of Teacher and Parents' Expectations on Students Educational Pathways: Analyses and Policy Options" zeigte er auf Basis von Befunden der WiSel-Studie und des SCALA-Projekts, dass Erwartungen von Lehrenden und Eltern eine wichtige Rolle bei der Gestaltung des Bildungsweges von Schülerinnen und Schülern spielen. Sie beeinflussen unter anderem das Feedback an die Schülerinnen und Schüler und die Benotung. Die Erwartungen der Lehrenden können aber durch verschiedene Faktoren – beispielsweise Geschlecht oder Migrationshintergrund der Kinder – verzerrt sein und so Bildungsungleichheiten verstärken. Neuenschwander zeigte, dass Weiterbildungen wie SCALA für Lehrpersonen solche verzerrten Erwartungen verändern können und zentrale Elemente von SCALA auch bereits in der Lehrendenausbildung nutzbar sind.

Der Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des LIfBi im Rahmen des Gastaufenthalts inspiriert Neuenschwander bei der Forschungsplanung und Weiterentwicklung des Zentrums Lernen und Sozialisation. Für Neuenschwander sind hier aktuelle Schwerpunkte und theoretische Fragestellungen des NEPS von Interesse. Das Zentrum Lernen und Sozialisation wird sich in den kommenden Jahren weiterhin intensiv mit der Erforschung der Übergänge im Schulsystem und beim Übergang in den Beruf beschäftigen und dabei beispielsweise Teilaspekte der WiSel-Studien weiter spezifizieren.

 

Mehr Informationen: https://www.fhnw.ch/de/personen/markus-neuenschwander