Geschlechtersegregation

Berufliche Geschlechtersegregation und ihre Folge für die (Re-)Produktion von Geschlechterungleichheiten im deutschen Arbeitsmarkt

 

1. Projektphase: Mai 2012 – Mai 2015

2. Projektphase: Juni 2015 – Juni 2018

 

Gefördert von: Deutsche Forschungsgemeinschaft, Schwerpunktprogramm 1646 “Education as Lifelong Process”

 

Projektleitung:

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen:

  • Ann-Christin Bächmann, Leibniz-Institut für Bildungsverläufe
  • Dörthe Gatermann, Leibniz Universität Hannover
  • Anna Erika Hägglund, Leibniz Universität Hannover


In diesem Projekt wird die Bedeutung von Berufen, die für den Erwerbsverlauf in Deutschland besonders prägend sind, für die (Re-)Produktion von Geschlechterungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt untersucht. Aus der bisherigen Forschung ist bekannt, dass typische Frauen- und Männerberufe mit ungleichen Arbeitsmarktchancen einhergehen. Daher analysieren wir die ungleichheitsrelevanten Konsequenzen der beruflichen Geschlechtersegregation, sowohl auf beruflicher als auch individueller Ebene. Zunächst untersuchen wir auf beruflicher Ebene, ob und wie sich Frauen- und Männerberufe abgesehen von ihrer Geschlechterzusammensetzung unterscheiden, zum Beispiel hinsichtlich ihres Lohnniveaus, ihrer Arbeitszeitausgestaltung oder ihrer Qualifikationserfordernisse. Darauf aufbauend prüfen wir, wie sich diese beruflichen Merkmale auf den individuellen Erwerbsverlauf auswirken und ob sie dadurch zur (Re-)Produktion von Geschlechterungleichheiten beitragen. Zur empirischen Analyse beider Fragen bauen wir auf Basis des SIAB und des Mikrozensus ein Berufspanel auf, mit dem wir längerfristige Trends der beruflichen Geschlechtersegregation und deren Zusammenspiel mit anderen beruflichen Merkmalen nachzeichnen. Die Ergebnisse dieser Analysen werden benutzt, um ungleichheitsrelevante Indikatoren der Berufsstruktur zu identifizieren. Diese werden den NEPS-Daten der Startkohorte 6 zugespielt und deren ungleichheitserzeugende Wirkung auf verschiedene Stationen weiblicher und männlicher Erwerbsverläufe analysiert, wie den Eintritt in den Arbeitsmarkt, die Karrieremobilität sowie Erwerbsunterbrechungen und Wiedereinstiege.

In der ersten Projektphase haben wir zunächst die langfristige Entwicklung beruflicher Geschlechtersegregation in Deutschland dargestellt und analysiert, wie der Frauenanteil in Berufen kausal mit anderen Berufsmerkmalen, z.B. dem beruflichen Lohnniveau, dem Teilzeitanteil oder den Qualifikationsanforderungen zusammenhängt. Die Ergebnisse dieser Analysen wurden dazu genutzt, den Einfluss dieser beruflichen Merkmale auf individuelle Geschlechterungleichheiten in Karriereverläufen zu untersuchen. Insofern fokussierte die erste Projektphase auf nicht-monetäre Aspekte der Arbeitsmarktungleichheiten zwischen Frauen und Männern.

Allerdings ist aus der Forschung bekannt, dass ein höherer Frauenanteil im Beruf auch mit geringeren Löhnen einhergeht. Die berufliche Geschlechtersegregation ist also zentral für die Erklärung der geschlechtlichen Lohnlücke in Deutschland. Unklar ist jedoch nach wie vor, warum in Frauenberufen geringere Löhne gezahlt werden. Ist es allein der Anteil an Frauen in einem Beruf, der dafür verantwortlich ist? Oder gibt es andere Merkmale von Berufen, die mit dem Frauenanteil zusammenhängen und die zentral für das Verständnis der Lohnlücke sind? Und wenn ja, wie hat sich der Einfluss unterschiedlicher Berufscharakteristika auf die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen während der letzten 30 Jahre verändert?

Um diese Fragen zu beantworten, untersuchen wir in der zweiten Projektphase, welche Bedeutung die geschlechtliche Differenzierung der Berufsstruktur in Deutschland für die Entwicklung der Lohnlücke seit Mitte der 1970er Jahre hat. Theoretisch unterscheiden wir dabei drei Mechanismen: 1) die Entwertung von frauentypischen Tätigkeitsinhalten, 2) die geringere Nachfrage nach spezifischem Humankapital in Frauenberufen und 3) höhere berufliche Schließungspotentiale in Männerberufen. Basis der Analysen ist ein einzigartiger und innovativer Datensatz zu individuellen Löhnen im Lebensverlauf: Die ersten drei Wellen von NEPS Startkohorte 6 wurden mit Registerdaten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verlinkt und enthalten dadurch zusätzlich sehr valide Lohn- und Firmeninformationen für die Erwerbsverläufe der Befragten. Zur Modellierung und Dekomposition der geschlechtlichen Lohnlücke werden diesen Individualdaten die Informationen des in der ersten Projektphase generierten Berufspanels zugespielt und mit beruflichen Strukturdaten angereichert, die bislang nicht berücksichtigt wurden: beruflichen Tätigkeitsprofilen und neuen Indikatoren beruflicher Schließung.