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2/13/2026

Ankommen und weiterkommen: Projekt EduRef erforscht gesellschaftliche Teilhabe junger Geflüchteter nach zehn Jahren Leben in Deutschland

Zehn Jahre nach der Ankunft in Deutschland: Wie haben sich Sprachkenntnisse, Bildungswege und gesellschaftliche Teilhabe junger Geflüchteter entwickelt? Diese Fragen stehen im Zentrum der neuen Outcome-Studie EduRef („Educational Careers and Outcomes of Young Refugees”) am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi). Die jungen Teilnehmenden werden durch das Institut bereits auf ihren Bildungswegen begleitet, seit sie als Kinder beziehungsweise Jugendliche mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen sind. Die im Projekt gewonnen Daten liefern wichtige Hinweise dafür, welche Rahmenbedingungen Integration langfristig fördern und wo politischer und praktischer Handlungsbedarf besteht.

Ziel der Outcome-Studie EduRef ist es, Erkenntnisse zur langfristigen Integration junger Geflüchteter in das deutsche Bildungs- und Ausbildungssystem sowie den Arbeitsmarkt zu gewinnen. Das neue Projekt startet im Februar und schließt thematisch an die beiden am LIfBi angesiedelten Geflüchtetenstudien ReGES („Refugees in the German Educational System“) und „Bildungswege von geflüchteten Kindern und Jugendlichen“ an. Im Rahmen von EduRef werden die Teilnehmenden, die heute im Jugend- bzw. Erwachsenenalter sind, jährlich in Online-Interviews befragt. Im Mittelpunkt steht dabei ihre aktuelle Bildungs- und Erwerbssituation. Weitere Bildungsoutcomes wie sprachliche Integration, Gesundheit, Zufriedenheit, Bleibeabsichten sowie soziale und politische Teilhabe werden ebenfalls berücksichtigt. 

Ergänzt werden die jährlich wiederkehrenden Befragungsinhalte durch variable Fragestellungen, die auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen oder alters- und lebensphasenspezifische Besonderheiten eingehen. So trägt die Studie dazu bei, Integrationsprozesse differenziert abzubilden und eine fundierte wissenschaftliche Grundlage für Politik, Verwaltung und Praxis zu schaffen.

Datenschatz liefert schon heute wichtige Erkenntnisse
Die langjährige Begleitung der Teilnehmenden startete bereits im Projekt ReGES und fokussierte die Integration in das deutsche frühkindliche und schulische Bildungssystem. Die bisherigen wissenschaftlichen Auswertungen zeigen deutlich, welche besonderen Herausforderungen bei der Bildungsintegration Geflüchteter bestehen. So sind vor allem die Deutschkenntnisse ein großes Hemmnis: Auch nach durchschnittlich vier Jahren in Deutschland konnten die geflüchteten Kinder im Kindergartenalter bei ihren Deutschkenntnissen nicht substanziell zu den einheimischen Kindern aufschließen und starteten damit auch mit geringeren Sprachkenntnissen in die Grundschule. Hier zeigt sich die hohe Bedeutung für eine bessere Sprachförderung schon im Vorschulalter.
Bei den Teilnehmenden im Jugendalter zeigten die wissenschaftlichen Analysen, dass ihre Schullaufbahnen aufgrund der Flucht und im Zuge des Ankommens in Deutschland durchschnittlich länger als ein Jahr unterbrochen waren. Ob sie in Deutschland dann altersgerecht eingeschult wurden und welche Schulformen sie besuchten, war wiederum maßgeblich von Bundesland und Wohnort abhängig.

Die Daten der ersten sieben Erhebungen stehen der wissenschaftlichen Gemeinschaft bereits für Forschungszwecke zur Verfügung. Eine weitere Datenveröffentlichung sowie ein Sammelband mit Forschungsergebnissen befinden sich aktuell in Vorbereitung.

ReGES-Datenangebot

Die Geflüchtetenstudien am LIfBi
Das Outcome-Projekt EduRef schließt an die beiden am LIfBi angesiedelten Geflüchtetenstudien ReGES („Refugees in the German Educational System“) und „Bildungswege von geflüchteten Kindern und Jugendlichen“ an. Die ReGES-Studie wurde von Juli 2016 bis Dezember 2021 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und war am LIfBi verantwortet. Die Teilnehmenden wurden in der zunächst vom BMBF und seit Sommer 2025 vom Bundesministerium für Bildung, Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) finanzierten Studie „Bildungswege von geflüchteten Kindern und Jugendlichen“ weiter begleitet. Im Februar 2026 startet die Outcome-Studie EduRef, ebenfalls vom BMBFSFJ finanziert.

Mit ReGES ist es gelungen, eine einzigartige Stichprobe von Kindern und Jugendlichen kurz nach deren Flucht zu ziehen. Insgesamt wurden mehr als 2.400 Kinder und mehr als 2.400 Jugendliche aus fünf Bundesländern in die Studie aufgenommen. Auch die Eltern sowie pädagogische Fachkräfte in Kindergarten bzw. Schule wurden einbezogen. Die Teilnehmenden wurden in den beiden Projekten im Längsschnitt über insgesamt neun Messzeitpunkte begleitet. Dieser stabile Panelbestand und das Wissen über ihren bisherigen Bildungsverlauf bildet nun den Ausgangspunkt für die Outcome-Studie EduRef. 

Die aufeinander aufbauenden Geflüchtetenstudien fokussieren zwei Gruppen: Die teilnehmenden Kinder waren zu Beginn der Erhebungen mindestens vier Jahre alt, gingen aber noch nicht in die Schule. Diese Gruppe erlaubt einen Blick auf den Beitrag des Kindergartens, die Grundschulphase und den Übergang in das gegliederte Schulsystem. Zum Start der Outcome-Studie EduRef sind diese Teilnehmenden inzwischen 13 Jahre alt und befinden sich größtenteils in der Sekundarstufe I. Die zweite Teilnehmendengruppe sind junge Erwachsene, die zum Start der Studie zwischen 14 und 16 Jahre alt waren und sich noch in der Sekundarstufe I im allgemeinbildenden Schulsystem befanden. Bei dieser Gruppe steht nun der Übergang in Berufsausbildung, Studium und der Eintritt in den Arbeitsmarkt im Zentrum. Zum Start der Outcome-Studie EduRef sind die jungen Erwachsenen zwischen 23 und 25 Jahren alt.

Projektseite EduRef

 

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