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10/6/2026

LIfBi Research Award 2026 würdigt herausragende Publikationen von Promovierenden

Mit dem LIfBi Research Award werden in diesem Jahr herausragende Forschungsleistungen von Promovierenden ausgezeichnet. Die Jury entschied sich, den Preis erstmals für zwei Publikationen zu vergeben. Die ausgezeichneten Forschungsarbeiten, für die in diesem Jahr Kerstin Schörner sowie Jana Welling und Eva Zink den LIfBi Research Award erhalten, eröffnen neue Perspektiven auf das wechselseitige Verhältnis der Bildungsaspirationen von Kindern und Eltern sowie auf den Umgang mit systematischen Antwortverzerrungen in großen Bildungsstudien. 

Mit dem Preis werden jährlich Mitarbeitende des Instituts gewürdigt, die besondere Leistungen in Forschung oder Infrastruktur erbracht haben. In diesem Jahr wurde turnusgemäß der Research Award an Promovierende vergeben. Über die Vergabe entschieden die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats des LIfBi. Sie entschlossen sich, den Preis aufgrund der Exzellenz der eingereichten Vorschläge in diesem Jahr für zwei Publikationen zu vergeben. 

Bildungsaspirationen von Kindern und Eltern im Fokus
Einer der ausgezeichneten Beiträge ist die erste Veröffentlichung aus Kerstin Schörners Promotionsvorhaben, der bereits rege Beachtung in der Fachwelt gefunden hat. Die gemeinsam mit Dr. Felix Bittmann verfasste Publikation vergleicht systematisch Konzepte aus der Soziologie und der Psychologie zum Verhältnis von Bildungsaspirationen von Kindern und Eltern und verknüpft diese miteinander. 

In ihrer Begründung lobte die Jury die starke theoretische Fundierung und kritische Diskussion der angewandten Theorien ebenso wie die Entwicklung eigener Überlegungen zu den komplexen wechselseitigen Einflüssen zwischen Kindern und Eltern. Diese gehen über die üblichen eindimensionalen Annahmen hinaus, wonach vornehmlich Eltern ihre Kinder beeinflussen. Die Ergebnisse seien für Forschung, Bildungspolitik und Familienbildung gleichermaßen von großer Bedeutung, da sie zeigen, dass Kinder während der Sekundarstufe weitaus aktiver am Prozess der Zielfindung beteiligt sind als bisher angenommen und somit wichtige Akteure bei Bildungsentscheidungen sind.

Für die Preisträgerin Kerstin Schörner ist der LIfBi Award eine wichtige Bestätigung, ihren interdisziplinären Weg in der Bildungsforschung weiterzugehen: „Ich bin überzeugt, dass der Blick über Disziplingrenzen hinweg dazu beiträgt, neue Forschungsfragen zu stellen und bekannte Fragen neu zu denken und zu beantworten. Weil interdisziplinäre Arbeiten in einer stark disziplinär organisierten Forschungslandschaft jedoch nicht immer leicht zu positionieren sind, bedeutet mir diese Anerkennung sehr viel.“

Umgang mit „Rapid Guessing“ als systematischer Fehler
Mit einem methodischen Beitrag der Promovendinnen Jana Welling und Eva Zink würdigte die Jury eine zweite hervorragende wissenschaftliche Leistung. Ihr gemeinsam mit Dr. Timo Gnambs publizierter Artikel leiste einen bedeutenden Beitrag zur methodischen Bildungsforschung, indem er verschiedene Ansätze zum Umgang mit „Rapid Guessing“ untersucht. Dabei handelt es sich um sehr schnelles und wenig reflektiertes Antworten auf Testaufgaben, das die Validität der Ergebnisse beeinträchtigen und wesentliche Schlussfolgerungen verzerren kann. Deshalb sei ein besseres Verständnis dieses Phänomens besonders relevant für Forschung sowie für bildungspolitische Empfehlungen, die sich auf Daten groß angelegter Bildungsstudien stützen.

Der Beitrag der beiden LIfBi-Promovendinnen verbindet anhand einer umfassenden Simulationsstudie zwei Forschungsstränge, die – bislang weitgehend isoliert – entweder auf Ebene einzelner Antworten oder auf Ebene des Antwortverhaltens der Befragten ansetzten. Auf dieser Grundlage formulieren die Autorinnen konkrete empirische Leitlinien dafür, wie sich die Verzerrung durch Rapid Guessing in der Praxis mindern lässt. 

Die beiden Preisträgerinnen freuen sich, dass ihr in gleichberechtigter Erstautorinnenschaft publizierter Artikel die Jury überzeugt hat: „Wie wir Daten auswerten, beeinflusst, welche Schlüsse wir aus Bildungsstudien ziehen können. In unserer Zusammenarbeit konnten wir unterschiedliche fachliche Stärken verbinden und uns bei der Untersuchung dieser Frage gegenseitig unterstützen. Der Award bestärkt uns darin, methodische Fragen weiterhin kritisch zu untersuchen und daraus verlässliche Empfehlungen für die Forschungspraxis abzuleiten.“

Originalpublikationen:

Schörner, K., & Bittmann, F. (2024). Children’s aspirations, their perceptions of parental aspirations, and parents’ factual aspirations – Gaining insights into a complex world of interdependencies. European Sociological Review, 40(6), 981–995. https://doi.org/10.1093/esr/jcad074 

Welling, J., Zink, E., & Gnambs, T. (2026). Comparing different approaches of (not) accounting for rapid guessing in plausible values estimation. Educational and Psychological Measurement, 86(4), 792–821. https://doi.org/10.1177/00131644251395590 

 

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