Auswirkungen der Corona-Pandemie auf berufliches Lernen im Erwachsenenalter
 

Hintergrund

Die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens ist in den letzten Jahrzehnten mit dem technologischen Wandel und der demografischen Alterung der Erwerbsbevölkerung gestiegen. Gleichzeitig ist die Teilnahme an berufsbezogener Erwachsenenbildung (BEB) aber nach wie vor sozial stratifiziert. Die Corona-Pandemie hat Angebot und Nachfrage nach Erwachsenenbildung in kurzer Zeit tiefgreifend verändert. Die traditionelle BEB in Form von Vor-Ort-Kursen ist weitgehend zusammengebrochen, und viele Firmen haben ihre Weiterbildungsinvestitionen reduziert. Gleichzeitig sind bei einigen Beschäftigtengruppen durch Kurzarbeit neue Spielräume für BEB entstanden, während andere aufgrund von Kinderbetreuung und Homeoffice weniger Zeit hatten. Und schließlich hat die Krise einen Digitalisierungsschub bewirkt, der es für viele Beschäftigte notwendig gemacht hat, in kurzer Zeit neue Dinge zu erlernen.

 

Ziel

Das sekundäranalytische Projekt „Auswirkungen der Corona-Pandemie auf berufliches Lernen im Erwachsenenalter“ untersuchte, wie sich die Pandemie und die vielen Veränderungen, die damit einhergingen, auf die Beteiligung an unterschiedlichen Formen der BEB ausgewirkt hat, welche Lernbarrieren und -chancen die Krise mit sich gebracht hat und wie sich dadurch Muster sozialer Ungleichheit in der BEB verändert haben. Da BEB ein zentraler Baustein war, um pandemiebedingte Verwerfungen im Arbeitsmarkt abzufedern, war eine zügige Beantwortung dieser Fragen wichtig, um daraus zielgerichtete Bildungsstrategien abzuleiten.

Das Projekt wurde innerhalb der Fokus-Förderung „Bildung und Corona: Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf Bildungsprozesse im Lebensverlauf“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Mit der Fokus-Förderung wurde die Bearbeitung von besonders drängenden wissenschaftlichen Fragestellungen ermöglicht. Sie zielte darauf ab, pandemiebedingte Einflüsse auf die Bildungswege von Menschen zu analysieren und die langfristigen Implikationen für gesellschaftliche Entwicklungen (z.B. soziale Ungleichheit) zu betrachten. Die geförderten einjährigen Auswertungsprojekte stellten deshalb den Längsschnitt in den Fokus.

 

Vorgehen

Die Analysen fußten auf Paneldaten der NEPS-Startkohorten SC4, SC5 und SC6, die jährlich seit Ende der 2000er Jahre bis 2021 erhoben wurden und die detaillierte Längsschnittinformationen zum nonformalen und informellen berufsbezogenen Lernen von  erwerbstätigen Erwachsenen liefern.

Das Projekt war in drei Arbeitspakete gegliedert:

  • Im ersten Schritt wurde das Ausmaß und die Form krisenbedingter Veränderungen in der BEB bei unterschiedlichen Beschäftigtengruppen beschrieben.
  • Im Anschluss daran wurde untersucht, wie die Krise die Lernprozesse Erwachsener beeinflusst hat. Dabei wurden schrittweise Regressionen und Dekompositionstechniken benutzt, um die Auswirkungen pandemiebedingter Veränderungen in den Arbeitsbedingungen, im Familienleben und im Wohlbefinden auf die BEB-Teilnahme abzuschätzen.
  • Im dritten Schritt war geplant, mithilfe von Fixed Effects-Regressionen kausale Effekte der Pandemie auf die BEB-Teilnahme zu identifizieren und zu analysieren, wie die Krise vorherrschende Muster sozialer Ungleichheiten in der BEB verändert hat. Die Ergebnisse flossen in ein geplantes längerfristiges Forschungsprojekt ein.
 

Projekt-Steckbrief

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Projektpartner
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg