Von der qualitativen Typologie zum quantitativen Messinstrument: Epistemologische Überzeugungen von Lehrkräften der geisteswissenschaftlichen Fächerdomäne
 

Ziel

Das Projekt TyMin verfolgt das zentrale Ziel, qualitative Forschungsergebnisse, die in Form von Typologien vorliegen, systematisch in messbares, quantitatives Design zu übersetzen. Konkret wird ein Messinstrument entwickelt, um die epistemologischen Überzeugungen von Lehrkräften in geisteswissenschaftlichen Fächern zu erfassen. Da solche Messwerkzeuge bisher vor allem für epistemologische Überzeugungen im Bereich der Naturwissenschaften existierten, schließt das Vorhaben eine bedeutende Forschungslücke. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt des LIfBi und der Universität Bamberg. Ein interdisziplinäres Netzwerk aus nationalen und internationalen Partnern unterstützt das Projektteam. Durch diesen Austausch werden methodische Herausforderungen reflektiert und an einer Weiterentwicklung der Verschränkung qualitativer und quantitativer Forschungszugänge gearbeitet.

 

Hintergrund

Das Projekt TyMin beschäftigt sich mit den persönlichen Überzeugungen von Lehrkräften, mit ihren individuellen Ansichten darüber, was „Wissen“ eigentlich ist, wie es hergestellt wird und wie man es am besten lernt und lehrt. Während es für Fächer wie Mathematik oder Physik bereits Instrumente gibt, um diese Ansichten zu messen, fehlte so etwas für die geisteswissenschaftlichen Fächer (wie Deutsch, Geschichte oder Religion) bisher fast völlig. Das liegt vor allem daran, dass Wissen in diesen Fächern weniger greifbar ist: Es gibt oft nicht die eine „richtige“ Lösung, sondern viele verschiedene Wege, zum Beispiel ein Gedicht oder ein historisches Ereignis zu interpretieren, zu verstehen, zu decodieren und mit Bedeutung zu versehen. Interpretationen und Deutungen sind hier also vielfältig und nicht eindeutig, was  Lehrkräfte vor besondere Herausforderungen im Unterricht stellt. Wie sie diesen Herausforderungen in ihrem Berufsalltag begegnen und welche Überzeugungen, Perspektiven und Ideen sie dazu haben, wird im TyMin Projekt unter die Lupe genommen.

In einer früheren Studie wurden bereits ausführliche Gespräche mit Lehrkräften geführt und dabei mittels der Dokumentarischen Methode drei Typen rekonstruiert, wie Lehrerinnen und Lehrer in geisteswissenschaftlichen Fächern mit Wissen und unterschiedlichen Perspektiven und Bedeutungsvarianten umgehen. Im Projekt TyMin sollen diese Erkenntnisse nun in einen standardisierten Fragebogen übersetzt werden, um die Verteilung dieser Überzeugungsmuster auf Basis repräsentativer Stichproben generalisierbar zu machen und korrelative Zusammenhänge, etwa zur Berufserfahrung oder Schulform, statistisch prüfen zu können. Die zentrale Herausforderung besteht darin, implizite (konjunktive) Wissensbestände, die den Lehrkräften oft nicht bewusst sind, methodisch kontrolliert in standardisierte Items zu übersetzen

 

Vorgehen und Methoden

Das Vorgehen im Projekt TyMin ist systematisch in vier Arbeitspakete untergliedert, um methodisch fundiert ein quantitatives Messinstrument zu entwickeln. Dabei werden verschiedene Erhebungs- und Analysemethoden im Sinne eines Mixed-Methods-Ansatzes kombiniert.

Die vier Arbeitspakete und ihre Methoden:

1.     Itementwicklung: In diesem ersten wichtigen Schritt wird die qualitative Typologie, also die Erkenntnisse aus den früheren Lehrkraftinterviews, in konkrete Testfragen bzw. Items übersetzt. Die besondere Herausforderung besteht dabei darin, dass Lehrkräften ihre eigenen Orientierungen häufig reflexiv nicht zugänglich sind, wobei diese Orientierungen maßgeblich unterrichtliches Handeln strukturieren. Dies wird in der Konstruktion der Items stets mitgedacht.

2.    Qualitätssicherung: Bevor der Fragebogen eingesetzt wird, wird er umfassend auf Verständlichkeit (durch Lehrkräfte) und auf wissenschaftliche Genauigkeit (durch ein internationales Expertenteam) geprüft.

3.    Entwicklungsstudie: Das Projektteam exploriert, ob sich die Muster, die in der Typologie sichtbar werden, auch in einer Stichprobe von 600 Lehrkräften widerspiegeln. Zudem wird untersucht, wie die Überzeugungen beispielsweise mit der Berufserfahrung oder der Schulform zusammenhängen.

4.    Ergebnisse teilen: Die Befunde werden kontinuierlich in Fachzeitschriften publiziert und auf Tagungen präsentiert.

 

Datenerhebung und -aufbereitung

Die Datenerhebung im Projekt TyMin ist zweiphasig strukturiert: Auf kognitive Interviews (n = 40) zur Validierung der Item-Verständlichkeit folgt eine quantitative Entwicklungsstudie mit insgesamt 600 Lehrkräften (siehe „Vorgehen und Methoden“).

Bei der Datenaufbereitung wird höchste Priorität auf den Datenschutz gelegt. Zur Förderung der Forschungstransparenz werden die Daten abschließend in Open-Access-Repositorien der wissenschaftlichen Community zur Verfügung gestellt.

 

Projekt-Steckbrief

  • Projektleitung am LIfBi: Prof. Dr. Jana Costa 
  • Antragstellung: 
    Prof. Dr. Jana Costa (Leibniz-Institut für Bildungsverläufe Bamberg, LIfBi & Otto-Friedrich-Universität Bamberg)
    Dr. Caroline Rau (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)
  • Projektlaufzeit: 01.05.2026 - 30.04.2029
  • Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • Link zu dieser Seite: www.lifbi.de/TyMin 
 
Projektpartner
Otto-Friedrich-Universität Bamberg