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Forschungsprojekt BiLO zieht Fazit: Lokales Bildungsangebot ist für die individuelle Bildungsentscheidung relevant

08.10.2020

Das Forschungsprojekt „BildungsLandschaft Oberfranken (BiLO)“ ist Ende September abgeschlossen worden. Über fünf Jahre lang untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi) den Zusammenhang zwischen regionalen Bildungsangeboten und individuellen Bildungsentscheidungen und befragten dafür etwa 8.000 Menschen und 1.500 Bildungsanbieter in Oberfranken. Ihr Fazit: Mit innovativen Methoden und Ansätzen hat BiLO zum einen eine Forschungslücke adressiert, zum anderen konnte das Projekt eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis schlagen, indem es wichtige Informationen und Instrumente für das kommunale Bildungsmonitoring bereitstellt. Finanziert wurde BiLO bis März 2020 von der Oberfrankenstiftung, bis September 2020 hat das LIfBi die Projektförderung verlängert.

 

Seit Januar 2014 untersuchte die BiLO-Forschungsgruppe um Dr. Michaela Sixt vom LIfBi in Bamberg das Zusammenspiel von lokalen Bildungsangeboten und individuellen Bildungsentscheidungen in verschiedenen Phasen des Lebenslaufs – von der frühkindlichen und schulischen über die berufliche Bildung bis hin zur Weiterbildung im Erwachsenenalter und zur kulturellen Bildung. Die in Oberfranken gewonnen wissenschaftlichen Ergebnisse können auch auf andere, vergleichbare Regionen übertragen werden.

 

BiLO liefert vielfältige Erkenntnisse zur Bedeutung der lokalen Bildungslandschaft


Um zu Aussagen über die lokale Bildungslandschaft zu kommen, wurden 1.500 Bildungsanbieter und rund 8.000 Einwohnerinnen und Einwohner Oberfrankens befragt. Anhand der so ermittelten Daten zeigt sich: Das lokale Bildungsangebot spielt im Lebenslauf eines Menschen nicht immer dieselbe, aber stets eine bedeutende Rolle für seine Bildungsentscheidungen. Dafür stehen exemplarisch eine Reihe von Forschungsergebnissen, die im Rahmen von BiLO entstanden und in einem Sammelband zusammengefasst sind:

  • Jeder Kilometer zählt! Je weiter das Gymnasium vom Wohnort entfernt ist, desto unwahrscheinlicher ist dessen Besuch. (Sixt 2018: S. 86-114)
  • Lange Schulwege belasten Schulkinder. (Stöhr & Sixt 2018: 115-137)
  • Für Schülerinnen und Schüler mit Eltern ohne Abitur: Ist im näheren Umkreis des Wohnorts mindestens eine weiterführende Schule, wird diese oft statt einer dualen Ausbildung gewählt. (Fischer, Zeichner & Hofmann 2018: S. 138-166)
  • Vor allem für Studienberechtigte mit niedriger sozialer Herkunft kommen eher wohnortnahe Studienorte in Frage. (Baur & Fischer 2018: S. 67-192)
  • Bildungsbenachteiligte profitieren von nahen und vielfältigen Weiterbildungsangeboten. (Baur & Stöhr 2018: S. 193-216)
  • Bei der Nutzung von Kindertageseinrichtungen nehmen Kinder von Eltern mit niedrigerem Bildungsstatus weitere Distanzen auf sich. (Müller 2018: S. 57-85)
  • Wenn sich am Ort ein Theater befindet, kann dies insbesondere für die Personen ein Anreiz sein, regelmäßig ins Theater zu gehen, die in der Vergangenheit selten an hochkulturellen Angeboten teilgenommen haben. (Sixt & Thürer 2018: S. 217-245)

Die ausführlichen Beiträge finden sich im Sammelband von Michaela Sixt, Michael Bayer und Doreen Müller (Hrsg.): „Bildungsentscheidungen und lokales Angebot. Die Bedeutung der Infrastruktur für Bildungsentscheidungen im Lebensverlauf“, erschienen 2018 im Waxmann Verlag.

 

Beitrag für die überregionale Forschung


Die Erkenntnisse aus dem Projekt BiLO dienen auch der überregionalen Bildungsforschung, indem sie ins Nationale Bildungspanel (NEPS) übergehen, der größten deutschen Längsschnittstudie zu Bildungsverläufen, die am LIfBi beheimatet ist. Die im Projekt gewonnene Expertise sowohl zu Adressdatenhaltung, Georeferenzierung und Distanzberechnung als auch zur Durchführung von Onlinebefragungen wird in die künftigen Planungen und Arbeiten für das NEPS einfließen. Für Bildungsforschende stehen seit März 2020 die anonymisierten Daten in einem Scientific-Use-File (SUF) zur wissenschaftlichen Nutzung zur Verfügung (www.bilo-data.de). Besonders wertvoll ist der Datensatz dadurch, da er zusätzlich zu den Befragungsdaten 600 Millionen Distanzmaße enthält, die Entfernungen zwischen Wohnorten der Befragten und Bildungsstandorten datenschutzkonform abbilden.

 

Von der Wissenschaft in die Praxis


Eine besondere Transferleistung stellt der „Atlas BildungsLandschaft Oberfranken“ dar. Er bietet für kommunale Bildungsbüros, aber auch für die interessierte Öffentlichkeit, vergleichbare und verlässliche Informationen zur Bildungssituation in Oberfranken im Sinne eines umfassenden kommunalen Bildungsmonitorings auf Kreisebene. Es gibt ihn als Printversion mit detaillierten Informationen zu einzelnen Kreisen sowie digital in Form einer lokalen Bildungsdatenbank für Oberfranken. Diese wurde in Zusammenarbeit mit der LIfBi-Softwareentwicklung erstellt und steht Interessierten kostenfrei zur Verfügung (www.bilo-atlas.de).

 

BiLO sagt Danke

 

Der Dank zum Abschluss des Projektes gilt vor allem der Oberfrankenstiftung für die Förderung des Projekts sowie allen Teilnehmenden an den Befragungen, darunter Bildungseinrichtungen als auch Bürginnen und Bürgern aus Oberfranken. Ein weiterer Dank gilt allen Stakeholdern aus Politik, Praxis und Öffentlichkeit, aber auch natürlich allen indirekt und direkt am Projekt beteiligten Kolleginnen und Kollegen sowie der Leitung aus dem Haus. Nicht zuletzt gilt der Dank den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss geführt haben.

Mit dem neu besetzten Arbeitsbereich Strukturen und Systeme wird das Thema am LIfBi weiter präsent sein und es bleibt spannend, welche Erkenntnisse sich noch ergeben werden!

 

Weiterführende Links

 

Projektseite BiLO - Bildungslandschaft Oberfranken

Atlas Bildungslandschaft Oberfranken

Flyer zum Sammelband "Bildungsentscheidungen und lokales Angebot" mit Ergebnissen des Projekts BiLO

Scienfitic-Use-File und Dokumentation für die wissenschaftliche Verwendung