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LIfBi Lecture: Wie können sozioökonomische Ungleichheiten in den Kompetenzen von Kindern reduziert werden?

02.11.2022

Unterschiede in den akademischen Fähigkeiten zwischen Kindern aus Familien mit niedrigem Einkommen und Kindern aus Familien mit höherem Einkommen entstehen schon früh im Leben. Mit dem Ziel, diese Kluft zu schließen, forscht Professorin Ariel Kalil, Ph.D. an der Universität von Chicago zu Möglichkeiten, die Lese- und Rechenkompetenzen von Vorschulkindern aus einkommensschwachen Familien zu verbessern. Aktuelle Ergebnisse zweier Interventionsstudien präsentierte sie in ihrer LIfBi Lecture Ende Oktober in Bamberg.

 

Ariel Kalil führte mit ihrem Team zwei randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) durch, um die einkommensspezifischen Unterschiede in den akademischen Fähigkeiten durch Technologien und Verhaltenstools zu verringern. Bei ihrem Besuch am Leibniz-Institut in Bamberg gab sie den Zuhörenden in der Wilhelmspost und online einen Überblick über die Experimente und die gewonnen Erkenntnisse des Forschungsteams aus Chicago.

Mathe-Intervention: Math Parents and Children Together (MPACT)

Im Rahmen des MPACT-Experiments erhielten einkommensschwache Eltern Informationsmaterialien sowie ein Tablet mit Mathe-Apps, um mit ihren Kindern spielerisch mathematische Fähigkeiten zu trainieren. Zudem wurden sie regelmäßig durch unterschiedliche Arten von Textnachrichten zum Mathelernen mit den Kindern motiviert. Es zeigte sich, dass die elterliche Förderung durch die bereitgestellten Tablets und durch bestimmte Textbotschaften, welche Ziele setzten, Tipps gaben und die Eltern an die Fördermöglichkeiten erinnerten, erhöht wurde. Allerdings wirkte sich keine der Maßnahmen positiv auf die mathematischen Fähigkeiten der Kinder aus.

Lese-Intervention: Children and Parents Engaged in Reading (CAPER)

CAPER war eine 11-monatige Leseintervention, die den Einsatz einer digitalen Bibliothek und Textnachrichten zur Veränderung des elterlichen Förderverhaltens testete, um die Lesezeit einkommensschwacher Eltern und die Lesefähigkeiten deren Kinder zu erhöhen. Die Bereitstellung der digitalen Bibliothek für Familien erhöhte die Lese- und Schreibfähigkeiten der Kinder signifikant. Zusätzliche Textnachrichten an die Eltern hatten keinen zusätzlichen positiven Einfluss. Reine Terminerinnerungen hatten sogar einen negativen Effekt: Sie erhöhten zwar die Lesezeit, nicht aber die Lesefähigkeit der Kinder, führten also zu weniger effizientem Lesen.

Zwei Schlüsselergebnisse

Zusammenfassend betonte Ariel Kalil, dass beide Experimente das Potential von Technologien zur Unterstützung des Engagements benachteiligter Eltern bei den Lernaktivitäten ihrer Kinder sowie deren Kompetenzentwicklung zeigten. Dabei waren die Textnachrichten, die das Verhalten der Eltern beeinflussen sollten, zur Förderung des elterlichen Engagements zwar erfolgreich, steigerten jedoch die Fähigkeiten der Kinder nicht stärker als die Bereitstellung von technologischen Hilfen (Tablets und digitale Bibliothek) allein.

 

Link [extern] zum Profil von Professorin Ariel Kalil an der Universität Chicago