Gleiche Noten bedeuten noch lange nicht gleiche Chancen. Vom 6. bis 8. Juli 2026 war Prof. Nikki Shure, Ph.D. (University College London) zu Gast am LIfBi, um über die spezifischen Benachteiligungen von First-in-Family-Studierenden zu sprechen. Ihr zentrales Ergebnis: Soziale Herkunft beeinflusst Bildungs- und Berufswege selbst dort, wo Leistung eigentlich alle Türen öffnen sollte.
In ihrer LIfBi Lecture am 7. Juli mit dem Titel „First in Family University Students: Inequality on the Pathway to Higher Education and the Labour Market“ präsentierte Nikki Shure Forschungsergebnisse, die aufhorchen lassen. Während ihre Daten aus England zeigen, dass Studierende ohne akademischen Hintergrund häufiger das Studium abbrechen und seltener Elite-Universitäten besuchen, richtete sie ihren Blick in Bezug auf Deutschland auf Stipendiatinnen und Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes. Selbst in dieser Gruppe besonders leistungsstarker Studierender zeigte sich, dass die soziale Herkunft auch bei gleicher akademischer Leistung eine Begrenzung darstellen kann (Class Ceiling).
Im Vergleich mit Studierenden aus Akademikerhauhalten entscheiden sich Studierende, deren Eltern keine Universität besuchten, trotz hervorragender Leistungen häufiger für weniger prestigeträchtige Hochschulen und für Studienfächer mit geringeren Einkommens- und Karriereaussichten, etwa Erziehungswissenschaften statt Medizin oder Jura. Ihr Fokus liegt oft auf beruflicher Sicherheit statt auf maximalem Einkommen, was sich auch beim Berufseinstieg zeigt. Nikki Shure konnte mit ihrem Vortrag anschaulich zeigen, dass Bildungsgerechtigkeit weit mehr erfordert als nur die Förderung individueller Leistung.
Der dreitägige Besuch war geprägt von einem intensiven fachlichen Austausch. In Arbeitssitzungen mit LIfBi-Forschenden wurden Themen wie nichtmonetäre Erträge von Bildung, Skill Mismatch, die Vergabe von Stipendien sowie Bildungsaspirationen und Übergänge in die Berufsausbildung diskutiert. Abgerundet wurde der Aufenthalt durch die Teilnahme der Forscherin aus London am jährlichen Ausflug des LIfBi, der Raum für informelle Vernetzung und den kulturellen Austausch im oberfränkischen Raum bot.