Weg vom starren Frontalunterricht hin zu einer evidenzbasierten Pädagogik, die sich an der Funktionsweise des menschlichen Gehirns orientiert: Die renommierte US-Psychologin und Professorin Kathryn Hirsh-Pasek gab am LIfBi wichtige Impulse für die Gestaltung von Lehrmethoden und neuen Zugängen zum Lernen von Kindern und begleitete die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Langzeitstudie BRISE.
Im Rahmen der LIfBi Lecture am 23. Juni 2026 mit dem Titel „Active Playful Learning: Where the Science of Learning Meets Education“ legte Prof. Kathryn Hirsh-Pasek, Ph.D. (Temple University Philadelphia), dar, dass traditionelle Lehrmethoden weder auf systemische Ungleichheiten eingehen noch Kinder darauf vorbereiten, im 21. Jahrhundert erfolgreich zu sein. Sie präsentierte das Konzept des Active Playful Learning (APL), welches auf drei Säulen ruht: Erstens die Einbeziehung des kulturellen Kontexts und der Werte der jeweiligen Gemeinschaft, zweitens das Lehren auf eine Weise, die berücksichtigt, wie Kinder lernen, und drittens die Vermittlung der sogenannten 6Cs. Diese umfassen Collaboration, Communication, Content, Critical Thinking, Creative Innovation und Confidence (Zusammenarbeit, Kommunikation, Inhalte, kritisches Denken, kreative Innovation und Selbstvertrauen). Ein zentrales Element ist dabei das „Guided Play“ (angeleitetes Spiel), bei dem Erwachsene durch eine vorbereitete Umgebung und Lernziele Kinder dabei unterstützen, Sachverhalte spielerisch und selbstbestimmt zu erkunden. Diese Methode unterstützt u.a. den Erwerb von Sprache, MINT-Kompetenzen und die Selbstregulation.
Ihren zweitägigen Aufenthalt am Bamberger Leibniz-Institut nutzten die Wissenschaftlerin und Forschende des LIfBi zu einem intensiven Austausch zur kindlichen Entwicklung. Insbesondere die geplante Neuziehung der Neugeborenenkohorte des NEPS und deren potentielle Erhebungsinhalte wurde umfangreich im Institut und bei Erkundungstouren durch Bamberg erörtert.
Der Aufenthalt der Wissenschaftlerin am LIfBi diente zudem dem intensiven Austausch im Rahmen der Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung (BRISE). Als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von BRISE nahm Hirsh-Pasek an einer Beiratssitzung teil, zu der Bildungsforschende aus Deutschland und dem benachbarten Ausland ans LIfBi gekommen waren. BRISE ist eine bundesweit einzigartige Langzeitstudie, die eine systematische Förderkette von der Schwangerschaft bis zum Schuleintritt für Kinder aus benachteiligten Familien in Bremen untersucht. Das LIfBi ist Teil des wissenschaftlichen Konsortiums und bringt in Kooperation mit der Universität Bamberg innovative Messinstrumente des Nationalen Bildungspanels (NEPS) ein, um beispielsweise die kognitive und sozio-emotionale Entwicklung des Kindes sowie das kindliche und mütterliche Verhalten in der Interaktion im Längsschnitt zu erfassen.