Warum gute Noten für viele Jungen als „unmännlich“ gelten, ist eine Frage, die weit über das Klassenzimmer hinausreicht. Während kognitive Fähigkeiten weltweit zwischen Mädchen und Jungen nahezu gleich verteilt sind, verbauen verbreitete Geschlechterstereotype heute vielen Jungen den Bildungserfolg. In einer packenden LIfBi Lecture am 9. Juni analysierte Professorin Claudia Buchmann (Ohio State University) Ursachen und Folgen für das Zurückfallen von Jungen im Bildungssystem – von Männlichkeitsnormen bis zum sogenannten „Brilliance Bias“.
Die Daten zeigen: Frauen haben Männer bei den Hochschulabschlüssen in fast allen Industrienationen überholt. Die Gründe dafür sind komplex und schon in früheren Bildungsetappen zu suchen: In Ihrer LIfBi Lecture machte Buchmann deutlich, dass bereits in der Schulzeit Jungen im Bildungssystem aufgrund von tradierten Männlichkeitsnormen zurückfallen, mit denen einhergeht, dass sie akademische Anstrengung oft als „weiblich“ abwerten. Hinzu kommt der „Brilliance Bias“, also die falsche Verknüpfung von hoher Begabung mit Männlichkeit. Sie führt dazu, dass Jungen Intelligenz eher als angeborenes, unveränderliches Merkmal ansehen und daher Fleiß geringschätzen – was ihre schulischen Leistungen mindert.
Beobachtungen wie etwa eine zunehmende politische Polarisierung zwischen den Geschlechtern könnten Konsequenzen des Auseinanderdriftens der Bildungsbiografien sein. Professorin Buchmann betonte jedoch, dass es hierfür noch keine gesicherte Evidenz gibt und dies ein wichtiges Feld für künftige Forschung darstellt.
Während ihres zweitägigen Aufenthalts in Bamberg diskutierte Professorin Buchmann mit den LIfBi-Forschenden über Stratifizierung im Hochschulbereich. Ein zentraler Schwerpunkt lag dabei auf dem Vergleich zwischen Deutschland und den USA: Wie beeinflussen unterschiedliche Studienfinanzierungssysteme und die Struktur des Hochschulzugangs Bildungsungleichheiten in beiden Ländern? Neben diesen strukturellen Fragen wurden in intensiven Fachgesprächen vielfältige weitere aktuelle Themen der Bildungsforschung beleuchtet.
Der Besuch verdeutlicht die Relevanz internationaler Kooperationen, um globale Bildungstrends und deren weitreichende Folgen zu verstehen.