Liefert der Besuch von frühkindlichen Bildungseinrichtungen in Indien Vorteile für Kinder?

Ziel

 

Im Projekt sollte untersucht werden, inwiefern bestehende Maßnahmen im Bereich der frühkindlichen Bildung in Indien positive Effekte auf die spätere Entwicklung der Kinder erzielen. In einem Entwicklungsland wie Indien, in dem die optimale Zuteilung begrenzter Fördergelder auf unterschiedliche Bereiche und Programme sehr wichtig für eine schnellere Entwicklung ist, ist es besonders wichtig, dass die Effektivität und Effizienz von öffentlich finanzierten Programmen wie ICDS (Integrated Child Development Services) evaluiert wird. Gegenstand des Projektes war daher die Frage, welche Rolle die bereits bestehenden frühpädagogischen Programme in Indien in Bezug auf die kindliche Entwicklung spielen. Konkret sollte untersucht werden, ob Maßnahmen im Bereich frühkindlicher Bildung in Indien den teilnehmenden Kindern Vorteile hinsichtlich ihrer kognitiven und sozialen Fähigkeiten bringen und ob und in welchem Maße die verschiedenen implementierten Maßnahmen sich hierbei unterscheiden. Die Ergebnisse können genutzt werden, um bestehende Programme zu überarbeiten und politische Maßnahmen zur effektiveren Gestaltung und Umsetzung (etwa durch Aufnahme in Lehr- und Rahmenpläne von Vorschuleinrichtungen in Indien) zu implementieren.

 

Ergebnisse

 

Zwischen Februar und Ende September 2019 lief das durch die DFG geförderte Auswertungsprojekt »ECE (Early Childhood Education) India« unter Leitung von Dr. Saikat Ghosh. Hier wurde anhand der Daten von 1.369 Kindern untersucht, inwiefern bestehende Maßnahmen im Bereich der frühkindlichen Bildung in Indien positive Effekte auf die soziale und kognitive Entwicklung dieser Kinder erzielen. Hierfür wurde das Regierungsprogramm ICDS (Integrated Child Development Services) evaluiert und der Effizienz  frühkindlicher Bildungseinrichtungen in privater Hand gegenübergestellt.

 

Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilnahme an einem Vorschulprogramm Vorteile für die Entwicklung sozialer Fähigkeiten mit sich bringt. Bezüglich der kognitiven Entwicklung konnte ein solcher Einfluss nicht festgestellt werden. Unabhängig davon haben Kinder einer Familie mit einem höheren Bildungsniveau sowohl im sozialen als auch im kognitiven Bereich Vorteile gegenüber Gleichaltrigen, deren Eltern weniger gebildet sind. Außerdem zeigen die Ergebnisse Defizite des ICDS-Programms, die sich auf die Qualität der Betreuung durch kaum geschultes Personal, aber auch auf die Lehr- und Rahmenpläne zurückführen lassen. Zusammenfassend verweisen die Ergebnisse des Projekts auf einen Verbesserungsbedarf in Bezug auf Qualitätsaspekte frühkindlicher Bildung. Ein möglicher Ansatzpunkt hierfür ist eine Umstrukturierung des ICDS-Programms mit einer stärkeren Betonung des Bildungsauftrags sowie eine Überarbeitung des Lehrplans. Um die Fortschritte zu dokumentieren und das staatliche frühkindliche Bildungsprogramm weiterhin zu evaluieren, ist eine Fortsetzung des Projekts zu einem späteren Zeitpunkt geplant.

 

Ein ausführlicher Projektbericht ist im September 2020 in der Publikationsreihe LIfBi Working Papers erschienen.

 

Das Projekt wurde gefördert durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)