Kompetenzentwicklungsprofile in der Sekundarstufe

Ziel

Ausgehend von bisherigen Forschungsbefunden und unter Nutzung des längsschnittlichen Designs des Nationalen Bildungspanels (NEPS) wurden im Rahmen des Projekts zwei Ziele verfolgt: Zum einen sollten Entwicklungsprofile von Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern über die Sekundarschulzeit identifiziert werden, um damit eine mögliche Spezialisierung von Personen in einem Kompetenzbereich relativ zu einer anderen Domäne sichtbar zu machen. Die zugrundeliegende Annahme war, dass sich Gruppen von Personen finden lassen, die durch unterschiedliche Kompetenzentwicklungen in den Bereichen Lesen und Mathematik charakterisiert sind. Zum anderen war das Ziel des Projekts, die Determinanten dieser Profile zu identifizieren. Hierzu sollten theoriegeleitet verschiedene affektiv-motivationale, sozial-kognitive und sozio-demographische Variablen analysiert werden, welche die Vorhersage der Gruppenzugehörigkeit zu spezifischen Kompetenzentwicklungsprofilen erlauben.

 

Vorgehen und Methoden

Um latente Gruppen von Personen identifizieren zu können, die durch unterschiedliche Kompetenzentwicklungen in den Domänen Lesen und Mathematik charakterisiert sind, wurden latente Mischverteilungswachstumskurvenmodelle eingesetzt. Für die Analysen wurden Kompetenz- und Fragebogendaten aus der Sekundarstufe in der Startkohorte 3 „Klasse 5“ und der Startkohorte 4 „Klasse 9“ des NEPS herangezogen.

 

Ergebnisse

Die Analysen konnten die Annahmen zu den unterschiedlichen Kompetenzentwicklungsprofilen insgesamt nicht bestätigen. Somit scheinen längsschnittliche Betrachtungen von Kompetenzentwicklungen in zwei Domänen keine Personengruppen auffinden zu lassen, die sich durch unterschiedliche Entwicklungen in den Kompetenzbereichen Lesen und Mathematik auszeichnen. Allerdings konnte für die Gesamtpopulation eine Entwicklung in Richtung von Mathematikkompetenzen besonders ab Klasse 9 gezeigt werden.

Um die Frage nach Prädiktoren einer möglichen Spezialisierung zu beantworten, wurde zusätzlich untersucht, inwiefern verschiedene Prädiktoren unterschiedliche Auswirkungen auf die Entwicklung von Lese- und Mathematikkompetenzen haben. Dabei zeigte sich, dass eine Spezialisierung in der Berufsbildung und im Interesse dazu führen, dass sich auch höhere Kompetenzzuwächse in dem Bereich der Spezialisierung (Mathematik oder Lesen) beobachten lassen.

Die Ergebnisse bieten Anhaltspunkte für weitere interessante Folgeuntersuchungen: So werfen die Ergebnisse beispielsweise die Fragen auf, zu welchem Zeitpunkt querschnittliche inter- und intraindividuelle Unterschiede der Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe entstehen und welche Bedingungsfaktoren hierfür relevant sind. Zudem stellt sich die Frage nach der Prädiktivität querschnittlicher Kompetenzprofile für Lebensentscheidungen (etwa Berufswahl oder Bildungsentscheidungen), beruflichen Erfolg oder die spätere Zufriedenheit.

 

Projekt-Steckbrief

  • Projektleitung: Dr. Kathrin Lockl
  • Antragstellung: Prof. Dr. Timo Gnambs, Dr. Kathrin Lockl, Prof. Dr. Ilka Wolter
  • Projektlaufzeit: Sep 2018 - Aug 2020