Hintergrund

Der Anstieg der Zuwanderung von Geflüchteten in den vergangenen Jahren, insbesondere zwischen 2014 und 2017, stellt die Bundesrepublik Deutschland weiterhin vor integrationspolitische Herausforderungen. Aufgrund des hohen Anteils an jungen Geflüchteten kommt dem Bildungssystem eine besondere Bedeutung für die mittel- und langfristige Integration von geflüchteten Kindern, Jugendlichen und deren Familien zu. Zugang zu Einrichtungen der vorschulischen und schulischen Bildung, aber auch zu Ausbildung und tertiärer Bildung haben dabei nicht nur Auswirkungen auf den Übergang in den Arbeitsmarkt und Karriereverläufe, sondern auch auf soziale Partizipation und gesellschaftliche Teilhabe.

 

Wissenschaftliche Studien beschäftigten sich zunehmend mit der Bildungsteilhabe Geflüchteter, darunter auch die Studie „ReGES – Refugees in the German Educational System“. Die neue Studie „Bildungswege von geflüchteten Kindern und Jugendlichen – BildungswegeFlucht“ setzt auf der ReGES-Stichprobe auf und führt die längsschnittliche Erhebung der Bildungsverläufe junger Geflüchteter fort. Während mit den ReGES-Daten insbesondere der Übergang von Kindertageseinrichtungen in die Grundschule bzw. Bildungsverläufe innerhalb der Sekundarstufe I abgebildet werden, hat BildungswegeFlucht zum Ziel, weitere wichtige Übergänge in der Bildungsbiographie geflüchteter Kinder und Jugendlicher zu untersuchen.

 

Ziel

Das Ziel der Studie BildungswegeFlucht ist es, die Bildungsverläufe neuzugewanderter geflüchteter Kinder und Jugendlicher mit längerfristiger Perspektive zu beschreiben und zu untersuchen, welche Faktoren die Integration von Geflüchteten ins deutsche Bildungssystem und den Übergang in den Arbeitsmarkt fördern oder hemmen. Neben regionalen und institutionellen Faktoren kann auch der Erwerb deutscher Sprachkenntnisse eine Rolle spielen. Wichtig sind zudem vorausgegangene Bildungswege und Erfahrungen im Bildungssystem, die einen Einfluss auf den weiteren Bildungs- und Berufsweg haben können.

 

Die Studie beleuchtet wichtige Übergänge in der Bildungs- und Berufsbiographie geflüchteter Kinder und Jugendlicher. Zum einen wird der Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe I näher untersucht. Dies ist wichtig, da bereits hier herkunftsspezifische Bildungsungleichheiten entstehen können. Im Zusammenhang mit diesem Übergang stellen sich einige wichtige Fragen, wie beispielsweise: Können die Kinder die Grundschule in der Regeldauer abschließen? An welche Schulform wechseln junge Geflüchtete nach der Grundschule und welche individuellen und familiären Faktoren beeinflussen die Bildungsentscheidungen am Übergang in die Sekundarstufe I?

 

Zum anderen soll der Übergang von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II näher untersucht werden. Im weiteren Verlauf soll mit den Daten der Studie geprüft werden, inwiefern die gewählten (Aus-)Bildungsgänge erfolgreich abgeschlossen werden. Zentrale Fragen sind dabei: Welche Schulabschlüsse werden erworben und welche weiteren Bildungsabschlüsse werden angestrebt? Wie erfolgreich können jugendliche Geflüchtete Berufsvorbereitungsmaßnahmen abschließen und wie gut sind verschiedene Unterstützungsmaßnahmen geeignet, um junge Geflüchtete auf eine Ausbildung vorzubereiten? Können die gewählten Ausbildungsberufe erfolgreich abgeschlossen werden und wie gestaltet sich der Übergang in den Arbeitsmarkt? Gelingt es jungen Geflüchteten nach Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung ein Studium an einer (Fach-)Hochschule aufzunehmen oder stehen andere Bildungswege im Vordergrund?

 

Vorgehen und Methoden

Wer wird befragt?

BildungswegeFlucht begleitet die zwei Alterskohorten der ReGES-Studie weiter, die sich zum Zeitpunkt der ersten Erhebung in BildungswegeFlucht jeweils an wichtigen Übergängen ihrer Bildungsverläufe befinden. Insgesamt sollen während der Projektphase ungefähr 1.200 Eltern von Grundschulkindern und ungefähr 1.400 Jugendliche zwischen 18 und 20 Jahren begleitet werden.

 

Wo wird befragt?

Die Erhebung erfolgt maßgeblich in fünf ausgewählten Bundesländern: Bayern, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen (siehe Abb. rechts). Diese unterscheiden sich systematisch in bestimmten von der Forschung als wichtig für die Integration von Geflüchteten erachteten Faktoren. Dazu gehören beispielsweise die Anzahl an aufgenommenen Geflüchteten, die Beschulungs- und Betreuungsstrategie für geflüchtete Kinder und Jugendliche, aber auch Faktoren wie die Arbeitslosenquote, der Bevölkerungsanteil mit Migrationserfahrung oder die Einwohnerdichte. Die Interviews werden vor Ort in den Unterkünften und Haushalten der Geflüchteten durchgeführt. Im Falle eines Umzugs in ein anderes Bundesland werden die Jugendlichen bzw. die Familien auch dort weiterhin befragt.

 

Wie wird befragt?

Im Rahmen der Studie BildungswegeFlucht werden zu zwei Erhebungszeitpunkten in den Jahren 2022 und 2024 persönliche Befragungen im Multi-Mode-Design durchgeführt. Es werden zum einen die Grundschulkinder und ihre Eltern, zum anderen die Jugendlichen befragt (siehe Abb. unten).

 

 

Datenerhebung und -aufbereitung

Die inhaltliche Vorbereitung der Erhebungen, das Projekt- und Studienmanagement sowie die anschließende Datenaufbereitung werden durch das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe durchgeführt. Institutsübergreifend arbeiten dabei der Arbeitsbereich Migration, das Zentrum für Studienmanagement, die Softwareentwicklung und das Forschungsdatenzentrum eng zusammen.

 

Das Sozialforschungsinstitut „infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft“ verantwortet die Datenerhebungen (weitere Informationen zum Vorgehen finden sich unter Vorgehen und Methoden).

 

Die Befragungen werden auf Arabisch, Deutsch oder Englisch durchgeführt. Die Interviews verbinden ein computergestütztes, von einer Interviewerin oder einem Interviewer direkt durchgeführtes persönliches Interview (CAPI) mit einem computergestützten Fragebogen, den die Teilnehmenden selbst ausfüllen (CASI). Zum ersten Messzeitpunkt erhalten die Grundschulkinder zusätzlich einen kurzen, papierbasierten Fragebogen (PAPI) in deutscher Sprache. In der zweiten Erhebung 2024 werden zudem Kompetenztestungen mittels standardisierter Tests durchgeführt.

 

Die Daten werden der wissenschaftlichen Gemeinschaft als Scientific-Use-Files zur Verfügung gestellt.

 

Projektsteckbrief

  • Projektleitung und Antragstellung: Dr. Jutta von Maurice; Dr. Gisela Will
  • Projektlaufzeit: Februar 2021 – Juni 2026
  • Förderer: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Postanschrift

BildungswegeFlucht

Leibniz-Institut für Bildungsverläufe

Wilhelmsplatz 3

96047 Bamberg

 

Kontakt

Dr. Gisela Will

E: gisela.will(at)lifbi.de

T: +49 951 863-3426

 

Team

Abteilungsübergreifendes Projektteam 2021: Lea Rauh, Timo Reichert, Shaza Al Rihawi, Pascal Bentata, Dr. Dominik Weigand, Dr. Gisela Will, Dr. Regina Becker, Patrick Matthias Weber, Dr. Jutta von Maurice, Christin Förster, Julian Seuring, Sven Pelz (v.l.)

 

Ausgewählte Publikationen

Hier finden Sie alle von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi) veröffentlichten Publikationen mit Bezug zu den Projekten "Bildungswege von geflüchteten Kindern und Jugendlichen" und "ReGES".

2021

Becker, R., Will, G., & Siegers, R. (2021). Geflüchtete Jugendliche in der Sekundarstufe I – Ergebnisse der Befragung der institutionellen Kontextpersonen der ReGES-Studie (LIfBi Working Paper No. 103). Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. https://doi.org/10.5157/LIfBi:WP103:1.0

 

Will, G., Homuth, C., von Maurice, J., & Roßbach, H.-G. (2021). Integration of Recently Arrived Underage Refugees: Research Potential of the Study ReGES - Refugees in the German Educational System. European Sociological Review, 2021, 1–17. https://doi.org/10.1093/esr/jcab033

 

Welker, J., Abou Hassoun, W., Al Rihawi, S. & Will, G. (2021). Educational system, participation, and attainment in pre-crisis Syria (LIfBi Working Paper No. 100). Leibniz Institute for Educational Trajectories. https://doi.org/10.5157/LIfBi:WP100:1.0

 

Siebler, F.,Bentata, P. & Will, G. (2021). Befragung von regionalen Kontextpersonen im Rahmen der Studie ReGES (LIfBi Working Paper No. 99). Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. https://doi.org/10.5157/LIfBi:WP99:1.0

 

Obry, M., Schild, A., Will, G. & Kopp, F. (2021). Die Messung des rezeptiven Wortschatzes in der Flüchtlingsstudie ReGES (Welle 1) (LIfBi Working Paper No. 98). Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. https://doi.org/10.5157/LIfBi:WP98:1.0

 

Homuth, C., Liebau, E., & Will, G. (2021). The role of socioeconomic, cultural, and structural factors in daycare attendance among refugee children. Journal for Educational Research Online, 13(1), 16–77. https://doi.org/10.31244/jero.2021.01.02

 

von Maurice, J., & Will, G. (2021). Geflüchtete Kinder und Jugendliche im deutschen Bildungssystem. Zentrale Befunde der Studie ReGES (LIfBi Forschung kompakt No. 2). Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. https://doi.org/10.5157/LIfBi:Bericht:02:ReGES:1.0

 

Welker, J. (2021). Relative education of recent refugees in Germany and the Middle East: Is selectivity reflected in migration and destination decisions? In: International Migration. https://doi.org/10.1111/imig.12853

 

Heinritz, F., & Will, G. (2021). Selektive Teilnahme von Geflüchteten an der Panelstudie ReGES (LIfBi Working Paper No. 96). Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. https://doi.org/10.5157/LIfBi:WP96:1.0 

 

Becker, R., Weber, F., & Bentata, P. (2021). Measuring educational trajectories of adolescent refugees in a longitudinal perspective. Challenges and solutions in the ReGES study (LIfBi Working Paper No. 95). Leibniz Institute for Educational Trajectories. https://doi.org/10.5157/LIfBi:WP95:1.0

 

Heinritz, F. & Will, G. (2021). Geflüchtete in Kindertagesstätten – Erste Ergebnisse der Befragung der institutionellen Kontextpersonen der ReGES-Studie (LIfBi Working Paper No. 93). Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. https://doi.org/10.5157/LIfBi:WP93:1.0
 

2020

Homuth, C., Welker, J., Will, G., & Von Maurice, J. (2020). The Impact of Legal Status on Different Schooling Aspects of Adolescents in Germany. Refuge: Canada’s Journal on Refugees, 36(2), 45–57. https://doi.org/10.25071/1920-7336.40715

 

Homuth, C., Will, G., & von Maurice, J. (2020). Broken School Biographies of Adolescent Refugees in Germany. In A. Korntheuer, P. Pritchard, D.B. Maehler & L. Wilkinson (Eds.), Refugees in Canada and Germany: From Research to Policies and Practice (GESIS-Schriftenreihe, 25) (pp. 123-142). GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.21241/ssoar.66728

 

Kristen, C.,  Spörlein, C., Schmidt, R. & Welker, J. (2020). Mehrheit der Geflüchteten hat höhere Bildung im Vergleich zur Herkunftsgesellschaft. DIW Wochenbericht 34/2020, 563-570.
Link zur Publikation

 

Spörlein, C., Kristen, C., Schmidt, R., & Welker, J. (2020). Selectivity profiles of recently arrived refugees and labor migrants in Germany. Soziale Welt 71 (1-2), 54–89. https://doi.org/10.5771/0038-6073-2020-1-2-54

 

von Maurice, J., Balaban, E., Will, G., & Roßbach, H.-G. (2020). Kinder mit Fluchthintergrund: Zur Bedeutung von Kindertageseinrichtungen für einen erfolgreichen Übergang in die Grundschule und den späteren Bildungserfolg. In S. Pohlmann-Rother, S. D. Lange & U. Franz (Eds.), Kooperation von Kita und Grundschule Band 2: Digitalisierung, Inklusion und Mehrsprachigkeit - Aktuelle Herausforderungen beim Übergang bewältigen (pp. 45-80). Carl Link Verlag.

 

Weigand, D. & Förster, C. (2020). Kommunikationsstrategien in einer Längsschnittstudie zur Bildungsintegration von Flüchtlingen. Praxiserfahrungen aus ReGES – Refugees in the German Educational System. In M. Gonser, K. Zimmer, N. Mühlhäußer & D. Gluns (Eds.), Wissensmobilisierung und Transfer in der Fluchtforschung: Kommunikation, Beratung und kooperatives Forschungshandeln (pp. 55-70). Waxmann Verlag. https://doi.org/10.31244/9783830992370

 

Will, G., Becker, R., & Weigand, D. (2020). COVID-19 lockdown during field work — Challenges and strategies in continuing the ReGES study. Survey Research Methods, 14(2), 247-252. https://doi.org/10.18148/srm/2020.v14i2.7753

 

Will, G. & Homuth, C. (2020). Education of Refugee Adolescents at the End of Secondary School: The Role of Educational Policies, Individual and Familial Resources. Soziale Welt, 71 (1-2), 161 – 201. https://doi.org/10.5771/0038-6073-2020-1-2-160

 

Will, G. & Homuth, C. (2020). L’accueil des nouveaux immigrants dans le système scolaire – l’exemple de l’Allemagne. Administration & Education 166(2), 177-183. https://doi.org/10.3917/admed.166.0177.

 

2019

Gentile, R., Heinritz, F. & Will, G. (2019). Übersetzung von Instrumenten für die Befragung von Neuzugewanderten und Implementation einer audiobasierten Interviewdurchführung (LIfBi Working Paper No. 86). Leibniz-Institut für Bildungsverläufe.

Link zur Publikation

 

Steinhauer, H. W., Zinn, S., & Will, G. (2019). Sampling refugees for an educational longitudinal survey. Survey Methods: Insights from the Field. https://doi.org/10.13094/SMIF-2019-00007

 

2018

Will, G., Balaban, E., Dröscher, A., Homuth, C. & Welker, J. (2018). Integration von Flüchtlingen: Erste Ergebnisse der ReGES-Studie (LIfBi Working Paper No. 76). Leibniz-Institut für Bildungsverläufe.
Link zur Publikation

 

Will, G., Gentile, R., Heinritz, F., & von Maurice, J. (2018). ReGES – Refugees in the German Educational System: Forschungsdesign, Stichprobenziehung und Ausschöpfung der ersten Welle (LIfBi Working Paper No. 75). Leibniz-Institut für Bildungsverläufe.

Link zur Publikation

Das Projekt "BildungswegeFlucht" wird am LIfBi abteilungsübergreifend durchgeführt. Neben dem aufgeführten Team aus Abteilung 2 wirken auch Beschäftigte des Zentrums für Studienmanagement und des Forschungsdatenzentrums maßgeblich mit (Link zum Foto des Projektteams).

 

 

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