Das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) in Bamberg untersucht Bildungsprozesse von der Geburt bis ins hohe Erwachsenenalter. Um die bildungswissenschaftliche Längs­schnittforschung in Deutschland zu fördern, stellt das LIfBi eine grundlegende, überregional und international bedeutsame, forschungsbasierte Infrastruktur für die empirische Bildungsforschung zur Verfügung. Kern des Instituts ist das Nationale Bildungspanel (NEPS), das am LIfBi beheimatet ist und die Expertise eines deutschlandweiten, interdisziplinären Exzellenznetzwerks vereint. 

27.10.2017

LIfBi Lectures: Wie lässt sich „irrationales“ Handeln erklären?

Bei seinem Besuch am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) präsentierte Prof. Dr. Clemens Kroneberg von der Universität zu Köln das Modell der Frame-Selektion (MFS) sowie dessen Mehrwert und Limitationen gegenüber (primär anreizbasierten) Rational Choice (RC)-Ansätzen aus dem Feld der Entscheidungstheorien.

In seinem Vortrag stellte Kroneberg den Kern des MFS vor, nämlich, dass es einen dualen Prozess der Informationsverarbeitung abbildet. Demnach werden rationale Entscheidungen vor allem dann getroffen, wenn keine (passenden) vorgefertigten Handlungsroutinen kognitiv verfügbar sind bzw. nicht durch situative Hinweisreize salient werden.

Damit integriert das Modell zwei in der wissenschaftlichen Gemeinschaft häufig als konträr wahrgenommene und debattierte Stränge der Handlungstheorie: die der rationalen Entscheidungstheorien einerseits und die der eher kulturalistischen Handlungstheorien andererseits.

Anwendungsbeispiele aus dem Bereich der Familienforschung, des abweichenden Verhaltens sowie moralischer Entscheidungsdilemmata in Krisenzeiten und schließlich Übergängen im Bildungsverlauf leiteten zum anschließenden Workshop mit dem Schwerpunkt Bildungsentscheidungen über. Dabei wurde das Modell in den Kontext verschiedener Forschungsvorhaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LIfBi gestellt, z. B. Entscheidung für/gegen frühkindliche Bildung/Betreuung in externer Einrichtung, private Weiterbildung sowie zu (hohen) Bildungsaspirationen von Menschen mit Migrationshintergrund oder Zusammenhang zwischen Habitus, kulturellem Kapital und Bildungserfolg oder auch Schulweg (Entfernung) und Bildungserfolg. Auch die empirischen Umsetzungen und mögliche Alternativen wurden erörtert.

Hierbei zeigte sich, dass RC zwar bei vielen Fragestellungen als ausreichend oder sogar ökonomischer eingestuft werden kann. In anderen Fällen hingegen eignet sich MFS besser, um die tatsächlichen Entscheidungsprozesse abzubilden, insbesondere, wenn diese nicht nur von Anreizen abhängen, sondern auch von Normen, festgefahrenen Gewohnheiten etc. Unter Berücksichtigung dieser „variablen Rationalität“ lässt sich auch scheinbar „irrationales“ Handeln gut erklären.

Weitere Neuigkeiten

NEPS | Nationales Bildungspanel

Das Nationale Bildungspanel ist die größte bildungswissenschaftliche Langzeitstudie in Deutschland. Durch die kontinuierliche Befragung und Testung von mehr als 70.000 Menschen entsteht und wächst ein international bedeutsamer Datenschatz, durch den Bildungsprozesse von der Geburt bis ins hohe Erwachsenenalter erforscht werden können.

Das NEPS vereint die Expertise von über 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an mehr als 13 Standorten deutschlandweit und ist am LIfBi in Bamberg beheimatet.

Großprojekte

 

Daten- und Serviceportal

Unser Daten- und Serviceportal beinhaltet das vollständige Angebot an Forschungsdaten des LIfBi und diesbezüglichen Dienstleistungen. Es informiert über die Voraussetzungen des Zugangs zu den Daten und unterstützt bei der Suche nach Variablen und Dokumentationsmaterialien. Das Portal verweist auf zahlreiche Hilfen für den Umgang mit den verfügbaren Scientific-Use-Files. 

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LIfBi Lectures

Die Vortragsreihe LIfBi Lectures bildet eine offene wissenschaftliche Dialogplattform über Fachgrenzen und Institutsbereiche hinweg. Gerade jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gibt die Vortragsreihe die Möglichkeit zur Vernetzung und zum interdisziplinären Dialog in unterschiedlichen Formaten rund um die Vorträge.

Zu den Veranstaltungen

Transfer

Zur Vermittlung unserer Forschungsergebnisse und dem Transfer unserer wissenschaftlichen Expertise werden am LIfBi die wichtigsten Themen und Aktivitäten des LIfBi aufbereitet, beispielsweise im Jahresbericht, in den LIfBi-News und im Newsletter LIfBi info. Unsere Transferberichte präsentieren Forschungsergebnisse allgemein verständlich.

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Publikationen

Die Forschenden am LIfBi publizieren zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Das Leibniz Institut gibt auch zwei eigene Publikationsreihen LIfBi Working Paper und NEPS Survey Paper sowie Transferberichte zu gesellschaftliche hochrelevanten Themen heraus.

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Karriere

Rund 250 Personen arbeiten derzeit am LIfBi in den Bereichen Forschung, Infrastruktur und Verwaltung. Unser wissenschaftliches Personal ist international und interdisziplinär aufgestellt – genau wie unsere Forschung. Diversität und Chancengleichheit gehören auf allen Ebenen zu unserem Selbstverständnis. Als familienfreundlicher Arbeitgeber unterstützt das LIfBi die Vereinbarkeit von Familienleben und Berufstätigkeit.

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Infrastruktur

Unsere Expertise als Infrastruktureinrichtung umfasst die Entwicklung von geeigneten Kompetenztests und Befragungsinstrumenten, über die Administration von großangelegten Bildungsstudien, bis hin zur Erforschung von wissenschaftlichen Methoden der Datenerhebung und -auswertung. Die gewonnen und aufbereiteten Daten stellen wir Forschenden weltweit kostenlos zur Verfügung. 

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Medien

Gerne vermitteln wir Ihnen Kontakte zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des LIfBi. Bei Medienanfragen bieten wir umfassende Unterstützung und organisieren Hintergrundgespräche für Politik, Redaktionen und Verbände. Unsere überregionalen Pressemitteilungen finden Sie im externen Presseportal. Auch in unseren Presseverteiler nehmen wir sie bei Interesse gerne auf.

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