Abbau von Bildungsbarrieren durch bedarfsorientierte Ressourcensteuerung
("ABBAUBAR")

Ziel       

Das Projekt untersucht, inwieweit eine bedarfsorientierte Steuerung des staatlichen Ressourceneinsatzes zum Abbau von Bildungsbarrieren beitragen und somit potenziell gesellschaftliche Teilhabe befördern kann. Im Rahmen einer bedarfsorientierten Ressourcensteuerung erhalten etwa Schulen mit schwierigen sozialen Rahmenbedingungen zusätzliche Ressourcen für ihre Arbeit – zum Beispiel in Form von zusätzlichen Lehrerinnen- und Lehrerstellen oder Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern. Das systematische Wissen über die Wirksamkeit einer bedarfsorientierten Ressourcensteuerung, das im Projekt gewonnen wird, ist insbesondere für Bildungsadministration und -praxis zur weiteren Ausgestaltung des Reformansatzes von hohem Nutzen. Durch die enge Zusammenarbeit mit vier Kommunen können die Erkenntnisse direkt in die Umsetzung einer bedarfsorientierten Ressourcensteuerung einfließen; weitere Maßnahmen (z.B. Workshop, Fachkonferenz, Publikationen) sichern zudem einen Transfer in die Breite.

Hintergrund

Wiederkehrend belegen (inter-)nationale Befunde, dass neben individuellen primären und sekundären Herkunftseffekten auch Kontextfaktoren (Lerngruppe, Schule, Sozialraum) maßgeblich für Bildungschancen sind. Eine bedarfsorientierte Ressourcensteuerung stellt eine Möglichkeit zur Schaffung gleicher Bildungs- und Lebenschancen dar. Mit dem Ziel „Ungleiches ungleich behandeln“ setzen bereits viele deutsche Bundesländer und Kommunen eine differenzierte Mittelzuweisung um. Obwohl eine bedarfsorientierte Ressourcensteuerung in Deutschland zum Gegenstand sowohl wissenschaftlicher als auch öffentlicher Debatten geworden ist, wurden ihre Umsetzung und ihre Wirkungen bislang kaum systematisch untersucht.

 

Vorgehen / Vorgehen und Methoden

Das Projekt gliedert sich in drei eng miteinander verzahnte Teilprojekte, die zusammen einen Mixed-Methods-Ansatz verfolgen:

 

 

(1) Bestandsaufnahme: Zunächst wird in Teilprojekt 1 erfasst, welche Kommunen und Bundesländer bereits eine bedarfsorientierte Ressourcensteuerung eingerichtet haben und in welcher Form bzw. in welchem finanziellen Umfang dies geschieht. Darauf aufbauend wird eine Typologie einer bedarfsorientierten Ressourcensteuerung entwickelt, welche die verschiedenen Ansätze bündelt.

 

(2) Untersuchung von institutionellen Settings und Prozessen: Im Rahmen von kontrastiven Fallstudien in vier Kommunen wird mit Hilfe der dokumentarischen Methode in Teilprojekt 2 untersucht, auf welche Weise und mit welchen Orientierungsmustern relevante Entscheidungsträgerinnen und -träger die Idee „Ungleiches ungleich behandeln“ umsetzen. Ein besonderer Stellenwert kommt dabei den dafür genutzten Wissensbeständen zu (z.B. Nutzung eines Sozialindex oder einer Sozialraumtypisierung im Zusammenhang der kommunalen Bildungsberichterstattung).

 

(3) Empirische Analyse der Auswirkungen: In Teilprojekt 3 wird quantitativ empirisch analysiert, welche Auswirkungen eine bedarfsorientierte Ressourcensteuerung auf Schulebene hat. Im Rahmen von Trendvergleichen (angelehnt an Difference-in-Differences Modelle) werden Auswirkungen auf die Schulqualität und Leistungen der Schülerinnen und Schüler gemessen.

 

Datenerhebung und -aufbereitung

Für die Bestandsaufnahme werden unter anderem Webauftritte, Rechtsverordnungen, Datenbanken sowie weitere Informationsmaterialien von Kommunen und Bundesländern systematisch gesichtet und fortlaufend dokumentiert. Im Fokus stehen hierbei insbesondere Städte mit einer kommunalen Bildungsberichterstattung. Zur Untersuchung von institutionellen Settings und Prozessen werden in vier Kommunen jeweils maximal 12 Interviews mit den für die monetäre und personelle Ressourcensteuerung zuständigen Entscheidungsträgerinnen und -träger geführt und transkribiert. Die quasi-experimentelle Untersuchung der Auswirkungen wird auf Basis der amtlichen Statistik durchgeführt. Zur Untersuchung der Wirkungen auf die Schulqualität werden etwa Daten zur Klassengröße, Lernende-Lehrende-Relation oder Ausfallstunden genutzt. Die Folgen für die Schülerleistungen werden unter anderem anhand von Daten zu Übergangsempfehlungen, Klassenwiederholungen oder Schulabgängerinnen und -abgänger ohne Hauptschulabschluss analysiert. Die Datenaufbereitung geschieht dabei im Allgemeinen auf Ebene der Einzelschulen. Der so gewonnene Datensatz kann mit kleinräumigen Daten zu den Raumeinheiten (z.B. statistische Bezirke), die diese Schulen umgeben, ergänzt werden.

 

Projekt-Steckbrief

 

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Dr.  Norbert  Sendzik

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