Wissenschaftliche Begleitung der Wohnungsbaupolitik in Mecklenburg-Vorpommern 2020-2030

Ziel

Die wissenschaftliche Begleitung des Landesprogramms „Zukunft des Wohnens in Mecklenburg-Vorpommern“ soll die Wirksamkeit des Landesprogramms untersuchen. Das Landesprogramm hat sich zum Ziel gesetzt, die soziale Segregation in städtischen aber auch touristischen Gebieten durch wohnungsbaupolitische Maßnahmen abzumindern. Die wissenschaftliche Begleitung ist insgesamt auf einen Zeitraum von zehn Jahren angelegt. In einem ersten Teilprojekt „Projektplanung und Umsetzbarkeitsprüfung“ (2020-2022) wurde untersucht, welche methodischen Zugänge für die wissenschaftliche Begleitung umsetzbar sind. Ab April 2022 startet das zweite Projekt „Umsetzung und Monitoring“. Ziel der wissenschaftlichen Begleitung ist es, die Wirksamkeit des Landesprogrammes auf soziale Segregationsprozesse zu untersuchen.

 

Hintergrund

Die Ungleichverteilung sozialer Gruppen, darunter besonders die räumliche Verteilung einkommensschwacher Menschen, hat in den deutschen Städten in den letzten Jahren zugenommen. Dies trifft vor allem auf die ostdeutschen Städte und auch in besonderem Maße auf die Städte in Mecklenburg-Vorpommern zu. Hier verteilen sich arme Menschen räumlich besonders ungleich in den Städten, was eine starke Armutsballung in bestimmten Wohnvierteln zur Folge hat. Diese räumliche Konzentration einkommensschwacher Familien hat – nach bisherigem Forschungsstand – negative Auswirkungen auf die Bildungs- und Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen. Will man den sozialen Segregationsprozessen entgegenwirken, ist es nötig wohnungsbaupolitisch tätig zu werden.

 

Um dieses und weitere Handlungsfelder in der Wohnungsbaupolitik anzugehen, hat das Land Mecklenburg-Vorpommern bereits 2019 das Landesprogramm „Zukunft des Wohnens in Mecklenburg-Vorpommern“ gestartet. Das Programm gibt Leitlinien und konkrete Maßnahmen für die Wohnungsbaupolitik bis 2030 vor. Die Initiative unter Federführung des Ministeriums für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung kann ein erster Schritt in die Richtung sein, soziale Segregation wirkungsvoll zu begrenzen bzw. mittel- und langfristig abzumildern. Inwieweit dies gelingt, soll die wissenschaftliche Begleitung des Programms evaluieren.

 

Vorgehen und Methoden

Das Teilprojekt 1 „Projektplanung und Umsetzbarkeitsprüfung“ untersucht, welche methodischen Zugänge umsetzbar sind. Auf Grundlage der Ergebnisse startet im April 2022 das zweite Projekt „Umsetzung und Monitoring“. Der aktuelle Planungsstand sieht fünf Arbeitspakete für die wissenschaftliche Begleitung vor:

 

1. Experteninterviews mit Akteuren der Wohnungsbaupolitik in den Kommunen mit Modellregion: Ziel dieser Befragung ist es, die Perspektive der unterschiedlichen Akteure (Verwaltung, Wohnungsunternehmen, Stadtteilmanagement usw.) auf die soziale Lage in den Modellregionen zu erfassen. Zudem soll eine Einschätzung der wohnungspolitischen Maßnahmen in den Modellregionen vorgenommen werden.

 

2. Typisierung und Kartographierung der wohnungsbaupolitischen Maßnahmen: Die unterschiedlichen sozialen und wohnungsbaupolitischen Maßnahmen der Modellregionen sollen in eine Typologie überführt werden.

 

3. Kleinräumiges Monitoring der Sozialstruktur mit Daten der amtlichen Statistik: Im Rahmen des Projektes soll fortlaufend kleinräumig gemessen werden, wie sich die Sozialstruktur in den betrachteten Modellregionen verändert.

 

4. Beschreibung und Kartographierung infrastruktureller Merkmale und deren Veränderungen in den Kommunen: Durch Datensammlung und Visualisierung soll herausgearbeitet werden, welche infrastrukturellen und institutionellen Unterschiede zwischen den Wohnvierteln der Städte bestehen. Betrachtet werden verschiedene Aspekte wie kulturelle Einrichtungen, Schulen, Spielplätze, Freizeit- und Grünanlagen, Gastronomie aber auch Themen wie Umwelt- und Lärmbelastung.

 

5. Durchführung von Einwohnerbefragungen zum Thema Wohnen, Zufriedenheit und Nachbarschaft: Die Entwicklung und Auswirkung von Segregationsprozessen lässt sich nicht allein mit kleinräumigen Sozialdaten erfassen. In Zusammenarbeit mit den Städten Rostock, Schwerin und Greifswald ist deshalb eine Bürgerbefragung geplant, die in den Jahren 2022, 2025 und 2028 stattfinden soll. Die Befragung soll wichtige Hintergrundinformationen zur Sozialstruktur und zu den Lebenslagen der Bewohner generieren, die über eine reine Betrachtung quantitativer Daten hinausreichen.

 

Projekt-Steckbrief

 

 

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Sebastian Steinmetz

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