Selbstregulation von Schülerinnen und Schülern beim Lernen zuhause während der pandemiebedingten Schulschließungen

Ziel

Welche Faktoren sind entscheidend, ob Schülerinnen und Schüler zu Hause während der pandemiebedingten Schulschließungen erfolgreich selbstreguliert lernen konnten? Das Projekt untersucht, unter welchen Bedingungen Schülerinnen und Schüler verschiedener Schultypen in Phasen des selbstregulierten Lernens gut zurechtkommen oder welche Arten von Unterstützung sie benötigen.


Die Auswertungen fokussieren dabei auf zwei Konstrukte: die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler, sich anzustrengen, und die Freude am Lernen. Damit soll dazu beigetragen werden, Wissenslücken zu den vielfältigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Bildungsprozesse im Lebensverlauf zu schließen und damit geeignete pädagogische Implikationen für Lehrende und Eltern diskutieren zu können.


Hintergrund

Das Projekt wird innerhalb der Fokus-Förderung „Bildung und Corona: Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf Bildungsprozesse im Lebensverlauf“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Mit der Fokus-Förderung wird die Bearbeitung von besonders drängenden wissenschaftlichen Fragestellungen ermöglicht. Sie zielt darauf ab, pandemiebedingte Einflüsse auf die Bildungswege von Menschen zu analysieren und die langfristigen Implikationen für gesellschaftliche Entwicklungen (z. B. soziale Ungleichheit) zu betrachten. Die geförderten einjährigen Auswertungsprojekte stellen deshalb den Längsschnitt in den Fokus.


Vorgehen / Vorgehen und Methoden

Stichprobe

Die Grundlage der Auswertungen am LIfBi bilden Längsschnittdaten des Nationalen Bildungspanels (NEPS). Im Rahmen des NEPS wurde im Frühjahr 2020 – zum Zeitpunkt des ersten Lockdowns – begonnen, zusätzliche Covid-19-Erhebungen in allen Startkohorten durchzuführen, um die spezifische Situation und die Herausforderungen im Zusammenhang mit den pandemiebedingten (Schul-)schließungen zu erfassen. Hier wurden beispielsweise Eltern gefragt, wie sie ihre Kinder zu Hause beim Lernen unterstützen konnten und wie schwierig es war, sie zum Lernen zu motivieren. Darüber hinaus berichteten Eltern sowie Schülerinnen und Schüler von ihrer Zufriedenheit mit dem von den Schulen bereitgestellten Lernmaterial, den Möglichkeiten der Kommunikation mit Lehrkräften über digitale Formate und Veränderungen bei den (digitalen) Lernaktivitäten.


Analyseplan

Teilstudie 1: Bewältigung des häuslichen Lernens von Grund- und Sekundarschülerinnen und -schülern während der Schulschließungen
In einem ersten Schritt wird die Bewältigung des Lernens zu Hause von Schülerinnen und Schülern in der Grundschule (etwa Klasse 2 bis Klasse 3) und in der Sekundarschule (Klasse 8 bis Klasse 9) betrachtet. Konkret werden die elterliche Unterstützung und die Zufriedenheit mit den Lernmaterialien sowie die Schwierigkeiten der Kinder beim Lernen zuhause und die Veränderungen bei den (digitalen) Lernaktivitäten in der ersten und zweiten Phase der landesweiten Schulschließungen verglichen. Es ist davon auszugehen, dass sich die Kinder in ihrer Motivation und der Bewältigung von Herausforderungen beim selbstregulierten Lernen unterscheiden; etwa in Bezug auf ihr Alter oder den von ihnen besuchten Schultyp.
Eine erste Analyse mit Daten vom Mai 2020 von Eltern mit Kindern in der 8. Klasse zeigte, dass die Zufriedenheit der Eltern mit der Unterstützung durch die Schule, nicht aber ihre wahrgenommene Fähigkeit, ihr Kind mit Lerninhalten zu unterstützen, prädiktiv für ihre Wahrnehmung der Lernergebnisse des Kindes war (Transferbericht 1, PDF).


Teilstudie 2: Entwicklung der Anstrengungsbereitschaft und der Lernfreude
Aufgrund des Längsschnittdesigns können in beiden Kohorten die Entwicklungen der Anstrengungsbereitschaft und der Lernfreude der Kinder vor, während und nach den Schulschließungen verglichen werden. Annahmen sind, dass

  • die Lernfreude der Schülerinnen und Schüler in der ersten Zeit der Schulschließungen gelitten hat, sich aber möglicherweise im Laufe des Lernens zu Hause stabilisierte
  • Schülerinnen und Schüler, die vor der Pandemie ein höheres Maß an Lernfreude hatten, von der neuen Lernsituation weniger betroffen sind als solche, die schon vor den Schulschließungen Schwierigkeiten hatten
  • Schülerinnen und Schüler mit geringeren Vorkenntnissen und einem geringeren Selbstkonzept weniger motiviert sind, sich ohne ständige Aufsicht durch Lehrkräfte mit dem Lernstoff zu beschäftigen

Darüber hinaus sind Motivation und Persönlichkeitsmerkmale wichtige Prädiktoren für die Bereitschaft, sich anzustrengen und können in ein prädiktives Modell einbezogen werden, um die Entwicklung im Zeitverlauf zu erklären.


Teilstudie 3: Identifizierung von Kindern, bei denen das Risiko besteht, dass sie zu Hause Schwierigkeiten beim Lernen haben
Im dritten Teil dieses Projekts werden Gruppen identifiziert, bei denen das Risiko besteht, dass sie während der Schulschließungen Schwierigkeiten bei der Bewältigung des selbstregulierten Lernens haben. Dabei stehen Bildungshintergrund, Geschlecht, die früheren Leistungen und Motivation in der Schule im Fokus. Erste Analysen mit Daten aus dem Nationalen Bildungspanel haben gezeigt, dass Mädchen offenbar weniger Probleme mit dem Lernen zu Hause haben als Jungen. Auch die Lesekompetenz und die Bereitschaft, sich anzustrengen, scheinen positiv mit den wahrgenommenen Lernergebnissen zusammenzuhängen.

Projekt-Steckbrief

  • Projektleitung und Antragstellung: Prof. Dr. Ilka Wolter
  • Projektlaufzeit: 06/2022 – 05/2023
  • Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft
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Prof. Dr.  Ilka  Wolter

ilka.wolter@lifbi.de

+49 951 863-3424