Zugänge zu jungen Erwachsenen mit geringen Schriftsprachkenntnissen (REACH)

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Kooperationsprojekt „Zugänge zu  jungen Erwachsenen mit geringen Schriftsprachkenntnissen" („REAching young adults with low ACHievement in literacy“, REACH) wurde von der Stiftung Lesen geleitet. Im Fokus von REACH standen junge Erwachsene zwischen 16 und 35 Jahren auf dem sog. alpha-Level 3, die eine besondere Gruppe unter den lesefernen Erwachsenen bilden: Sie können für ihren beruflichen Lebensweg besonders stark und nachhaltig von Förderangeboten profitieren.

REACH Fokus

Das Vorhaben fokussierte junge Erwachsene im Alter von 16 bis 35 Jahren, weil …

  • sie für ihren (beruflichen) Lebensweg am stärksten und nachhaltigsten von Förderangeboten profitieren können,
  • ihre frühzeitige Ansprache auf eine Erhaltung und Stärkung der Lesekompetenz in späteren Lebensphasen hoffen lässt,
  • mit ihrer Ansprache zugleich eine Motivation und Befähigung als Lesevorbilder für ihre Kinder möglich ist.

Mit Blick auf Zugangswege bestand die Notwendigkeit der Identifikation von …

  • (Schlüssel-) Personen und Orten, über die Zielgruppen erreicht werden können,
  • kommunikativen Ansätzen und Wegen wie etwa Medien,
  • inhaltlichen Anknüpfungspunkten: Themen, Interessengebiete, Aktivitäten.

REACH Ziele

  • Überprüfung der Eignung von Zugangswegen, die bereits aus der Praxis abgeleitet werden können
  • Identifikation und Prüfung durch eine möglichst differenzierte und genaue Charakterisierung der Zielgruppe
  • Analyse von Lebensbedingungen, Eigenschaften, Verhaltens-und Denkweisen (z. B. Mediennutzung, Aktivitäten in sozialen Netzwerken, Lebens-, Familiensituation, Freizeitinteressen, -gewohnheiten etc.)

Dazu sollten keine neuen Daten erhoben, sondern vorhandene Datenquellen möglichst effektiv genutzt und miteinander verknüpft werden. Anschließend wurde eine kleine Zahl von Zugangswegen und Ansprachemöglichkeiten pilothaft umgesetzt und begleitend evaluiert.

Projektphasen

 

Schritt 1: Ergebnisoffene Ansprache gesellschaftlicher und bildungsrelevanter Akteure (08/2016-09/2016)

Im ersten (qualitativen) Projektschritt stand die systematische Sammlung von Ideen und Vorschlägen für Zugangswege zu jungen Erwachsenen im Mittelpunkt. Dazu wurde eine geringe Zahl von Leitfragen über ein Online-Tool an Akteure gerichtet, die mit überwiegend praktischen Ansätzen im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung tätig waren.

 

Schritt 2: Sekundäranalyse verfügbarer Datenquellen in zwei Stufen (09/2016 – 10/2017)

In der zweiten Projektphase ginges in einem ersten Schritt zunächst darum, junge Erwachsene zwischen 16 und 35 Jahren auf dem sog. alpha-Level 3, die eine besondere Gruppe unter den lesefernen Erwachsenen bilden, zu charakterisieren. Dazu wurden die NEPS-Daten der Startkohorte Erwachsene sowie Daten der leo. Level One-Studie und von PIAAC genutzt. Zur Charakterisierung der Zielgruppe mithilfe der NEPS-Daten wurden im Vorfeld leseschwache Personen in Anlehnung an die leo. Level One-Studie auf Basis der Bookmark-Methode identifiziert.

 

In einem zweiten Schritt wurden die gewonnenen Indikatoren aus Schritt 1 auf andere Datenquellen übertragen. Ziel war die vertiefende Analysen von Eigenschaften, Gewohnheiten, Vorlieben und Lebensumständen der Zielgruppe. Dazu wurden verschiedene Datenquellen genutzt, die aufgrund der Indikatoren aus Schritt 1 keine Indikatoren für die Lesekompetenz enthalten mussten: SOEP, Datenmaterial des IAB, von GfK, IfD Allensbach, Gesundheitsmonitoring, Daten der AOK und andere Quellen.

 

Schritt 3: Qualitative Konkretisierung der identifizierten Optionen (10/2017 – 05/2018)

Die dritte Projektphase zielte auf eine realistische Eingrenzung der Umsetzbarkeit sowie die Erarbeitung konkreter Empfehlungen und Handlungswege. Dazu wurden die anhand der Datenanalysen (Schritt 2 / Stufe 1 und 2) geprüften Annahmen (u. a. aus Schritt 1) mit qualitativen Verfahren auf ihre Tauglichkeit geprüft. Dazu wurden Tiefeninterviewers mit Angehörigen der Zielgruppe sowie Gruppendiskussionen mit möglichen Multiplikatoren durchgeführt.

 

Schritt 4: Pilothafte Initiierung und begleitende Prüfung von erfolgsversprechenden Projektvorhaben (06/2018 – 08/2020)

Im vierten Projektschritt wurde eine kleine Zahl von Zugangswegen und Ansprachemöglichkeiten pilothaft umgesetzt und begleitend evaluiert. Erfolgversprechende Projekte können ab 2020 die Grundlage für Transfervorhaben bilden, die überregional oder bundesweit umgesetzt werden.

 

Projektlaufzeit: 06/2016 bis 08/2020

 

Projektleitung: Prof. Dr. Cordula Artelt (Leibniz-Institut für Bildungsverläufe)

 

REACH - Kooperationspartner

 

REACH wurde in einem Netzwerk mit verschiedenen Kooperationspartnern umgesetzt:

Projektförderer: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Projektträger: Koordinierungsstelle „Dekade für Alphabetisierung‟

Projektkoordination: Stiftung Lesen | Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen

 

Kooperationspartner:

LIfBi - Leibniz-Institut für Bildungsverläufe e. V.

gesis - Leibniz-Institut für Sozialforschung

Universität Hamburg | Fakultät für Erziehungswissenschaft

GfK

IfD - Institut für Demoskopie Allensbach

WIDO - Wissenschaftliches Institut der AOK

 

REACH-Projektwebsite bei der Stitung Lesen (externer Link)